Autorin • Unternehmerin • Speakerin

Wenn der Abend deiner Buchveröffentlichung von einem Terrorangriff beendet wird

Für den Abend meiner Buchveröffentlichung hatte ich mir viel erhofft – nur nicht, dass er von einem Terrorangriff beendet werden würde. 

Der Abend meiner Buchveröffentlichung vor ein paar Tagen, war ein lauer Abend, der sich mehr nach Juni als nach November anfühlte. Ich war mit meinem Mann Benjamin unterwegs, um in unserem Lieblingscafé im Stadtzentrum in Wien auf mein Buch anzustoßen. 
“Ist wahrscheinlich das letzte Mal in diesem Jahr”, meinte Benjamin. 

Es war der letzte Abend vor dem Lockdown und die Terrassen der Cafés und Restaurants waren voll mit Menschen, die das Leben feierten.

Seit 12 Jahren wohnte ich inzwischen in der lebenswertesten Stadt der Welt, die die Wiener im besten Fall als “ganz ok” oder aber mit den Worten “Woanders is noch schlimmer!” beschreiben. Was ich in diesen Jahren gelernt hatte, war, dass es hier schlicht undenkbar war auf Lebensfreude und Genuss zu verzichten. Und das verband uns, die wir an diesem letzten Abend in den Cafés und Restaurants saßen:  der Wunsch, das Leben bis zum letzten Moment zu genießen. 

“Wenn man ganz am Boden ist, bekommt man eine unglaublich Klarsicht. Man bekommt einen Fokus, auf das was einem wirklich wichtig ist, man sieht das Big Picture.”

Aber noch bevor ich mein Glas Rosé austrinken konnte, ging die Musik im Restaurant aus. Der Wirt trat herein und berichtete, dass es eine Schießerei am Schwedenplatz gegeben hatte. 

Und dann ging alles ziemlich schnell: die Gäste, die noch draußen gesessen hatten, wurden reingeholt, Benjamin und ich zogen unsere Masken wieder an und wurden zu einem Raum auf der oberen Etage gebracht, weg von den Fenstern und der Gefahrenzone, das Weinglas festumklammert. 

Ich drückte auf meiner Uber-App herum und versuchte ein Taxi zu bekommen, dass uns aus der Gefahrenzone herausbringen sollte – vergeblich. Kellner rannten zwischen um uns herum, um Averna Sour zu verteilen – zur Beruhigung (und weil wir eben doch auch in Wien waren, wo man den Katastrophen des Lebens vor allem stilvoll begegnet). 

Zwischendurch schrieb ich meinem Bruder, der in San Francisco wohnt, auf WhatsApp: “Uns geht’s gut! Aber hier ist gerade ein Terroranschlag und wir sitzen im Restaurant fest…” 

Alles stapelt sich übereinander

Auch unabhängig von dem Terrorangriff, waren die letzten Wochen einfach unglaublich hart gewesen und alles schien sich für mich übereinander zu stapeln. Das nächste Drama kam, ohne dass man das vorherige schon verkraftet hätte. Vor zehn Wochen war mein Vater ganz plötzlich gestorben, wir hatten eine Pandemie, einen bevorstehenden Lockdown, eine anstrengende US-Wahl und jetzt auch noch einen Terrorangriff. 

Und eine Sache wurde immer schwerer: die Kontrolle zu bewahren. Aber genau das war jetzt so wichtig. Um uns akut aus der Gefahrenzone herauszubringen und auch um diese Zeiten zu überstehen. 

Geschenke der Verzweiflung 

Letztlich bekamen wir mit Glück oder Zufall per App ein Taxi, das uns nach Hause brachte. Und während dieser Fahrt nach Hause musste ich an eine Redewendung der Amerikaner denken: “Gifts of desperation” – Geschenke der Verzweiflung. 

Die Idee ist: Wenn man ganz am Boden ist, bekommt man eine unglaublich Klarsicht. Man bekommt einen Fokus, auf das was einem wirklich wichtig ist, man sieht das Big Picture. Genau diesen Blick auf das große Ganze hatte ich während der Jahre, die ich in USA gelebt gelernt und immer wieder vorgelebt bekommen. 

Und gerade diese Weitsicht ist es, die uns im Moment weitertragen kann. Wir erleben gerade eine sehr harte Zeit, die es manchmal schwer macht positiv in die Zukunft zu blicken. Aber es wird wieder besser und zwischendurch gibt es sie – die Lichtblicke und Hoffnungsschimmer. Die guten Momente. Und diese bewusst zu sehen und zu feiern ist jetzt wichtiger als zuvor. 

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